Bestäubungsimker
Was macht eigentlich ein „Bestäubungsimker"?
In der EU sinkt in vielen Staaten die Zahl der aktiven Imker und der bewirtschafteten Bienenvölker. Dieses hat unweigerlich Folgen für die Umwelt und unsere Ökosysteme. Insbesondere in der Landwirtschaft muss durch diese Entwicklung mit Mindererträgen gerechnet werden. Betroffen hiervon sind u.a. Betriebe, die auf den Anbau von Kern- und Steinobst spezialisiert sind.
Obstblüte und Honigbiene sind optimal aufeinander angepasst und seit Jahrmillionen ein eingespieltes Team. Ob Erdbeere, Apfel, Kirsche oder Pflaume – ohne eine ausreichende Menge Bestäuber zum richtigen Zeitpunkt bringt der tollste Blütenansatz keinen guten Ertrag.
Aber auch im klassischen Ackerbau darf die Bestäubungsleistung z.B. bei Raps nicht unterschätzt werden.
Konnte doch jüngst anhand der Doktorarbeit von Dipl. Ing. Stefan Mandl von der Universität in Wien nachgewiesen werden, dass durch den Einsatz von Bienen zur Bestäubung von Raps eine Ertragssteigerung von bis zu 50% erreicht werden kann.
Gute Bestäubung unserer Kulturpflanzen ist eine Grundvoraussetzung für die Nahrungsmittelversorgung, bestäuben doch Honigbienen 80% aller Blühpflanzen. Die Notwendigkeit ist weltweit anerkannt. In vielen Staaten hat sich als wirtschaftliche Folge eine „Bestäubungsindustrie“ etabliert, ein eigener Zweig der Imkerei, der nicht aus dem Ertrag der Imkereiprodukte sondern durch das professionelle „Vermieten“ von Bienenvölkern für Bestäubungsdienste sein Einkommen erzielt.
Bei uns in Deutschland steht die professionelle Bestäubungsimkerei jedoch noch in den „Kinderschuhen“, fehlt den Imkern und Erzeugern von Obst und Gemüse vielfach noch das nötige „Know-how“, haben Erzeuger im Ausland bereits damit beste Erfahrung gemacht, wie z. B. in den USA, wo jährlich Millionen von Bienenvölkern für die Bestäubung eingesetzt werden.

In fast jedem deutschen Bundesland und sogar in Österreich gibt es inzwischen wenigstens einen ausgebildeten Bestäubungsimker. Das stellte mit sichtlicher Befriedigung der Vorsitzende der Vereinigung der Bestäubungsimker in Deutschland, Johannes-Peter Ecke, am Ende des jüngsten Lehrganges fest.
In der Imkerschule Niederrhein erhielt im September 2007 am Ende seiner halbjährigen Ausbildung Sven Behr den „Sachkunde-Nachweis“ zum ausgebildeten Bestäubungsimker ausgehändigt.
Seit über 20 Jahren betreibt Familie Behr eine Imkerei und hat sich seit einigen Jahren auch der Bestäubungsimkerei zugewendet. Inzwischen steht eine große Anzahl an Bienenvölker für die Bestäubung verschiedenster Kulturen wie z.B. Erdbeeren, Äpfel, Kirschen, Heidelbeeren usw. zur Verfügung.
Gerade landwirtschaftliche Kulturen profitieren von der einzigartigen Bestäubungsleistung der Honigbiene, kann doch die Qualität und Quantität von Obst und Gemüse deutlich gesteigert werden.
Im letzten Jahr haben wir unsere Palette rund um das Thema Bestäubung / Bestäubungsmanagement noch um ein Vielfaches erweitert.
In den Obst und Gemüsekulturen im Freiland und auch unter Glas und Folie kommen nun auch Hummeln zum Einsatz. Ihre hervorragende Bestäubungsleistung gemeinsam mit den Bienen sichert Spitzenqualität.
Das zusätzliche Einsetzen von Hummeln neben Honigbienen bietet viele Vorteile:
- Hummeln fliegen bereits bei niedrigen Temperaturen ca. ab 8°C (Honigbienen erst ab etwa 15°C), sowie bei bedecktem Himmel und bei Wind (Hummeln vertragen Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h). Somit wird auch eine gute Bestäubungsleistung bei schlechten Witterungsverhältnissen, wie z. B. im Frühjahr, gewährleistet.
- Hummeln haben einen kleineren Flugradius um ihre Behausung herum und bleiben somit in Ihrer Anlage und lassen sich nicht so leicht von anderen gleichzeitig blühenden Kulturen (wie z.B. Raps) ablenken.
- Hummeln haben eine sog. „Buzzing-Funktion“, durch diese Fähigkeit können sie „festsitzenden“ Pollen (wie z. B. bei Tomaten und Heidelbeeren) aus den Staubgefäßen der Blüte herausschütteln und somit weitertragen und verteilen. (Bienen haben diese „Buzzing-Funktion“ nicht)
Bei uns in der Bestäubungsimkerei Behr werden die Hummelvölker (einheimische dunkle Erdhummel Bombus terrestris) einzeln, bzw. in sog. TRIPOLS (drei Hummelvölker in einem Kasten) eingesetzt.
Die Bestäubungseinheiten (TRIPOL) bestehen aus drei Hummelvölkern und werden von Ihnen bei uns telefonisch oder per Internet geordert und zum gewünschten Termin an Sie direkt, oder in Form von Sammelbestellungen ausgeliefert.
Die kinderleichte Handhabung der Fluglochschieber an den Hummelkästen ermöglicht ein „Einsperren“ der Hummeln bei anstehenden Pflanzenschutzmaßnahmen. Außerdem lassen sich die Hummeln mehrfach, in bis zu drei nacheinander blühenden Kulturen, einsetzen.
Seit einigen Jahren verzeichnen wir nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit einen stetigen Rückgang der natürlichen Bestäuberinsekten. Das Gleiche gilt leider auch für den Fortbestand der Imkerei. Ein weiterfortschreitendes „Ergreisen“ der Imkerschaft und zusätzliche Nachwuchssorgen, ziehen auch ein Abnehmen der Anzahl an Bienenvölkern nach sich.

Wir bestäuben mit unseren Bienenvölkern landwirtschaftliche Kulturen vorrangig im norddeutschen Raum, auf Anfrage auch im gesamten Bundesgebiet, sowie auch im benachbarten Ausland. Das gleiche gilt für die Hummelvölker. Diese werden ebenfalls an Erzeuger in ganz Deutschland versendet.